Waste-to-Energy: Abfall als alternative Energiequelle

Lesedauer: 4 Minuten | Autor: Birgit | Tags: Sekundärer Rohstoff/Recycling/
Waste-to-Energy: Abfall als alternative Energiequelle

In unserem neuen Circular Blog Talk haben wir mit Günther Hickl, Betriebsleiter der FCC Zistersdorf Abfall Service GmbH, zum Thema „Abfall als alternative Energiequelle“ gesprochen.

Was ist eine Müllverbrennungsanlage?
Und was bedeutet thermische Abfallbehandlung?

Das Wort Müllverbrennungsanlage ist fast schon ein veralteter Begriff, so Herr Hickl. „Heutzutage bezeichnet man diese Art von Anlagen als thermische Verwertungsanlagen oder ins Englische übersetzt, als „Waste-to-Energy“ Anlagen. Diese Bezeichnung entspricht viel mehr der Tatsache, da die Müllverbrennungsanlage Zistersdorf tatsächlich ein Kraftwerk ist, das als Brennstoff Abfall hat und Energie produziert.“

Als Brennstoff in der thermischen Verwertungsanlage Zistersdorf sind nur bestimmte und streng reglementierte Abfallarten zugelassen, die anhand von sogenannten Schlüsselnummern gekennzeichnet sind. Jede Abfallart hat dabei seine eigene Schlüsselnummer. Im Wesentlichen werden jegliche Art von Hausmüll oder Hausmüllähnliche Gewerbeabfällen verwertet, also alles, was zu Hause „in der schwarzen Tonne landet.“ Aus diesem Grund ist eine korrekte Sortierung sehr wichtig.


24/7 Waste-to-Energy – Energieproduktion non-stop

Ein wesentlicher Vorteil der Waste-to-Energy Anlagen gegenüber anderen alternativen Energielieferanten wie zum Beispiel Photovoltaik oder Windkraft ist, dass die Energieproduktion 24 Stunden, 7 Tage die Woche stattfindet. „Wir arbeiten durch, 24/7. Laut Betriebsleiter Hickl gibt es kein Weihnachten, keine Feiertage und es gibt keine Pause.

Bei einem Dauerbetrieb wie diesem benötigt die Anlage eine Menge Brennstoff als Rohstoff zur Energieproduktion. Bis zu 600 Tonnen Abfälle werden täglich zwischen Montag und Freitag angeliefert, um auch für die Nacht und das Wochenende ausreichend Material zur Verwertung zu haben. Auch wenn am Wochenende keine Abfall-Lieferung stattfindet, die Anlage muss trotzdem weiter betrieben werden.

Ganz besonders wird darauf geachtet, dass keine gefährlichen Abfälle wie Lösemittel, die zum Beispiel in Werkstätten anfallen, als Brennstoff angeliefert werden. In diesem Fall wäre das Brandrisiko viel zu hoch. Und wenn man dann noch bedenkt, dass der Abfall-Bunker ein Volumen von zirka 3.500 Tonnen hat, dann nimmt das schon andere Dimensionen an. Man muss sich nur vorstellen, was passiert, wenn ein kleiner öliger Fetzen da drin zu brennen beginnt. Das ist ein großes Risiko für die komplette Anlage und daher ist hier höchste Vorsicht geboten.

Waste 2 Energy: Aus Abfällen wird Strom

Das Ziel der thermischen Verwertungsanlage Zistersdorf ist so viel Dampf wie möglich zu produzieren. Je mehr Dampf produziert wird, desto höher ist die Stromproduktion. Die Dampfmenge hängt wiederrum vom Heizwert ab, das heißt vom Energiegehalt im Abfall.

Man kann zum Beispiel mit Abfall, der einen hohen Heizwert, also einen hohen Energiegehalt hat, mit wenig Durchsatz die gleiche Dampfmenge produzieren, wie mit Abfall, der einen niedrigen Heizwert und somit einen niedrigen Energiegehalt hat. Durchsatz ist die Menge, welche pro Stunde verheizt werden kann. Das heißt, ein niedriger Heizwert in Kombination mit einem hohen Durchsatz bewirkt das gleiche wie ein hoher Heizwert mit wenig Durchsatz. Das ist auch der Grund, warum man nicht sagen kann, wie viel Dampf und somit Strom eine Tonne Abfall produziert.
 

Abfälle als verlässliche Energiequelle

Die Anlage produziert jährlich über 105.000 Megawattstunden und versorgt in etwa 30.000 Haushalte rund um die Uhr mit Strom. „Nachhaltigkeit ist sehr modern und auch wichtig. Aber es scheint nicht immer die Sonne und es bläst nicht immer der Wind. Aber wir können wirklich rund um die Uhr Strom produzieren“, so Hickl. „Im Prinzip liefern wir Strom als Grundlast.“

„Ich würde sagen, im Prinzip, wir liefern Strom als Grundlast. Das, was ja momentan sehr wichtig ist, weil man hat ja gehört, dass diese Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke – Gaskraftwerk ist regelbar, aber Kohlekraftwerk war jetzt ein Grundlastlieferant – jetzt wegfallen. Und da sind wir natürlich mittlerweile auch sehr wichtig geworden.“
 

CO2-Footprint einer Waste-to-Energy Anlage

Generell kann man sagen, dass aus einer Tonne Abfall eine Tonne CO2 wird. Obwohl das eine große Menge ist, darf dabei aber nicht vergessen werden, dass der Abfall zu zirka 50% aus biogenen Anteilen, das heißt aus natürlich verwertbaren oder recycelbaren Materialien, besteht, die CO2-neutral sind.

Günther Hickl ist der Meinung, dass dieser biogene Anteil sogar steigen wird, weil die Verpackungen nachhaltiger werden, teilweise schon biogen sind. Und das mit steigender Tendenz.

Windräder sind im Betrieb CO2 neutral, nicht aber in der Herstellung, wo zum Beispiel ein Betonfundament benötigt wird, genauso wie bei einer thermischen Verwertungsanlage. Es macht keinen Sinn, ein Windrad mit einer Müllverbrennungsanlage zu vergleichen.

Windräder haben in Österreich einen durchschnittlichen Betrieb von 2.000 Stunden jährlich, Photovoltaik-Anlagen 1.000 Stunden. Für die Grundlast sind andere Energielieferanten derzeit noch erforderlich.
 

Die Zukunft der Waste-to-Energy Anlagen

In der Vergangenheit waren Mythen rund um die schädlichen Auswirkungen von Müllverbrennungsanlagen für Mensch und Umwelt ein großes Thema. Besonders, als in Zistersdorf der Umstieg von einer Mülldeponie auf die heutige Waste-to-Energy Technologie stattgefunden hat. Die breite Masse der Bevölkerung ging davon aus, dass „alles rausgeschleudert wird, auch wenn die Rauchgasreinigung nicht funktioniert“.

„Wir sind seitens der Behörde dafür viel zu streng überwacht, das ist gar nicht möglich“, so Hickl. „Wir sprechen hier wirklich von sauberer Energie“.

Auch in Zukunft werden thermische Verwertungsanlagen eine große Rolle spielen. Ganz besonders im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Natürlich ist es wichtig, so viele Produkte so lange wie möglich immer wieder in den Kreislauf einzubringen, das heißt, aus ihnen Rohstoffe zu gewinnen und sie wieder in den Produktionsprozess zurückzuführen. Trotzdem darf man aber nicht vergessen, dass eine Wiederwertung irgendwann nicht mehr möglich ist und dann ist die thermische Verwertung der Abfälle die letzte Station im Kreislauf. Somit ist Waste-to-Energy ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft.

Hickl betont, dass man sich bewusst sein muss, dass speziell der Verkehr und viele weitere Bereiche unseres Alltags in den nächsten Jahren mehr Strom brauchen werden. Und für die Abdeckung dieses Grundbedarfs, der Lieferung der Grundlast, sind thermische Verwertungsanlagen von großer Bedeutung.
 

Jeder muss seinen Beitrag leisten

Ein großes Anliegen von Günther Hickl ist, dass man schon beim Einkaufen darauf achten sollte, was man kauft und wie es verpackt ist? Es macht keinen Sinn ohne Ende Müll zu produzieren. Das ist eine wichtige Botschaft. „Man muss bei sich selbst schauen und dementsprechend auch beim Einkaufen schon darauf achten.“

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